Wochenspruch für die Woche 9. So. n. Trinitatis

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. (Lukas 12,48b)

Liebe Gemeinde,

es gab eine Zeit, da war es allen klar: Wer etwas hat, sei es eine besondere Gabe, sei es Eigentum, für den entspringt daraus auch eine besondere Pflicht. Eigentum verpflichtet, so hieß es. So ging es für einen Unternehmer damals nicht darum, aus seinen Unternehmungen den größtmöglichen Profit heraus zu schlagen. Es kam auch darauf an, Menschen in Arbeit, in eine soziale Existenz zu verhelfen oder mit den Erträgen aus der Arbeit Gutes in der Welt zu erreichen. In den angelsächsischen Ländern, vor allem in den USA, ist noch einiges von diesem Selbstverständnis lebendig. Für viele Menschen ist es dort vollkommen selbstverständlich, von ihrem guten Verdienst einen Teil abzugeben und zu spenden. Das gilt sowohl für die kleinen Leute, die mit ihrem Geld Kirchengemeinden und soziale Einrichtungen unterstützen. Das gilt aber auch für die wirklich Reichen. Bill Gates, der Gründer von Microsoft zum Beispiel, hat einen Großteil seines märchenhaften Vermögens einer Stiftung zugeführt, mit der er Leid und Not in der Welt bekämpfen will. Dass er dabei keine gewinnorientierten Absichten hat, ist für Viele kaum glaubhaft, die den Ausgangspunkt nicht nachvollziehen: Eigentum, soziales Glück ist eine Verpflichtung.

Der biblische Spruch des Wochenspruchs stammt übrigens aus einem Gleichnis Jesu: Ein Gutsherr vertraut drei Knechten Geld an; zwei Knechte vermehren das Geld, der dritte vergräbt das Geld und gibt es dem Herrn am Ende vollständig zurück. Doch das reicht dem Herrn nicht. Er erwartet von den Seinen, dass sie mit dem, was ihnen anvertraut ist, auch etwas anfangen. Es geht da nicht um das ängstliche Bewahren und Festhalten an dem, was man hat oder zu haben meint. Es geht darum, einen offenen Blick für die Welt um sich herum zu haben und das zu tun, wozu man in de Lage ist, um diese Lage möglichst in irgendeiner Form zu verbessern. Das bedeutet auch, dass es Kraft, Zeit, Geld und Energie kosten kann. Not zu bekämpfen ist immer eine Aufgabe, die einem alles abverlangt – und sei es die Einsicht, dass man selbst vielleicht gar nicht so machtlos ist, wie man sich das von Zeit zu Zeit einredet. Großen Konzernen wird es schnell klar, nicht mehr Kleidung zu Hungerlöhnen in den ärmsten Ländern der Welt produzieren zu lassen, wenn die Kunden hier die Produkte einfach nicht mehr kaufen. Klar, die Handlungen eines einzelnen sind Tropfen auf den oft beschriebenen heißen Stein. Aber einzelne Steine sollen schon tiefe Täler in Berge geschnitten haben. Es braucht nur Zeit und Mut und Energie. Klar, kann man bei dem einen oder anderen vielleicht auch einmal falsch liegen. Doch sollte uns die Angst vor Fehlern nicht dazu bringen, überhaupt nichts mehr zu tun. Wer vor lauter Angst, einen Fehler zu machen, keinen Schritt mehr tut, verhindert Fehler – aber er tanzt auch nicht. Ich wünsche uns in diesen Zeiten, die voller Herausforderungen stecken, den Mut und die Gabe, mit dem was uns gegeben ist, in der Welt zu tanzen und andere mit dieser Hoffnung anzustecken.

Ihr
Matthias Weber-Ritzkowsky