Wochenspruch für die Woche: 31.5.2020

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth. (Sach 4,6b)

Liebe Gemeinde,

in diesen Tagen bekommen wir erneut ein Lehrstück von unangemessenem Verhalten in der Politik präsentiert. Es geht eigentlich um die Tötung eines Menschen durch die Polizei. Dieser Mensch hatte schwarze Hautfarbe und in einigen Teilen der USA haben Menschen mit dieser Abstammung mit Schikanen zu rechnen. Klassisch gesprochen: Sie sind Rassismus ausgesetzt und Widerspruch gegen die Staatsgewalt, der in jedem demokratischen Land legitim sein muss, wird als überzogener Widerstand ausgelegt und ebenso überzogen reagiert. Das Ergebnis ist ein Toter, nicht das erste und leider Gottes mit anzunehmender Wahrscheinlichkeit nicht das letzte Mal.

Nun könnte man meinen, die Regierung dieses Urlandes demokratischer Kultur würde die Missbräuche polizeilicher Gewalt klar und fair verfolgen. Hier unterliegt man einem Trugschluss. Es wird vertuscht, gelogen, abgewiegelt. In jedem demokratischen Land führt so etwas zu Widerspruch. Es geht um Bürgerrechte, Lebensrechte. Es gibt Demonstrationen und es kommt vor, dass bei solchen Demonstrationen Einzelne alles mit Wut überziehen. Aber man mache sich klar: Es gab einen Auslöser für all das. Wenn dann der Regierungschef nicht deeskaliert, sich für Aufklärung erklärt – verlieren Menschen das Vertrauen. Statt den Tätern mit Gerechtigkeit zu drohen, wird den Opfern mit Militär gedroht. In einem Land, dessen Regierungschefs so viel Wert auf den Christlichen Glauben legen – jedenfalls bei der Amtseinführung – könnte man auch einmal auf die Idee kommen, mal einen Blick in die Bibel zu werfen. Denn es soll nicht mit Heer oder Kraft, nicht mit Heimatmiliz und Polizeigeschwader geschehen. Wie viel besser wäre es gewesen sich daran zu erinnern, dass Gottes Liebe allen Menschen gilt. Auch die Polizisten daran zu erinnern, dass der Sinn ihres Dienstes nicht in der Tötung von Menschen liegt, deren Hautfarbe ihnen nicht passt. Der Sinn ihres Dienstes ist der Schutz von Leben. Ist es eigentlich wirklich so abwegig, wenn man die Geschwisterlichkeit der Menschen in ihrer Vielfalt für ein Gottesgeschenk hält und daran erinnert? Das Recht eines jeden Bürgers dieses Landes, eine Waffe zu tragen, wird von der dortigen Regierung verteidigt, als sei es ein Schöpfungsgesetz – aber das Recht eines jeden Menschen auf Leben ist ihnen nicht so selbstverständlich. Gottes Geist will Frieden für die Erde, nicht mit Waffengewalt und Abschreckung, sondern mit Versöhnung. Und das kostet etwas. Es kostet zum Beispiel, eigene Fehler einzugestehen in einem Land, das immer zuerst kommen will und Fehler nicht wahrhaben möchte.

Bei solchen Gedanken muss man übrigens gar nicht weit weg reisen: Es ist bei uns auch erst einige Monate her, dass die damalige Sprecherin einer im Bundestag vertretenden Partei den Vorschlag machte, Flüchtlinge nötigenfalls mit Waffengewalt am Betreten der Bundesrepublik zu hindern. Auch hier wird nicht nach den Gründen für eine Flucht, nicht nach Abhilfe von Leid und nicht nach dem menschlichen Gesicht des Opfers gefragt. Wenn das Opfer mit seinem Leid zur Last wird, gilt das Eintreten für die Opfer Vielen als Belästigung.

Das zurückliegende Pfingstfest spricht da eine andere Sprache. Es ist das Fest, an dem Gott zeichenhaft die Kulturen der Welt miteinander in Verständigung gebracht hat. Wer miteinander redet, sich um Verständigung bemüht, schießt nicht aufeinander. Zumindest das sollten wir aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts gelernt haben. Nichts geschieht durch Heer, Kraft oder politische Stärke, sondern nur mit Verständigung. Christen würden sagen: Verständigung im Geist Gottes, der alles Leben durchdringt und jeden Menschen der Erde liebt – auch wenn uns das eine Herausforderung ist.

Ihr
Matthias Weber-Ritzkowsky