Tageslosung für Dienstag, den 31.3.2020

Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des HERRN bauen. (Sacharja 6,15)

Durch Jesus Christus werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist. (Epheser 2,22)

Liebe Gemeinde,

Not lehrt Beten, sagt man. Wenn es nicht mehr weiter geht kommen selbst Menschen, die Beten sonst für Zeitverschwendung halten dazu. Eine Kollegin erzählte mir: „Ich war im Urlaub mit meiner Schwester. Die lächelte immer über meinen Beruf - Pfarrerin. Die sagte: du mit deinem Gott. Und dann waren wir eben zusammen in diesem Urlaub. Der erste Flieger war storniert, umgebucht auf einen zweiten Flieger, aber eben von einem anderen Flughafen aus. Die Taxis im Streik. Also nehmen wir den Bus. Aber Busse nehmen dort den Fahrplan nur als grobe Empfehlung, an die sich kein Fahrer hält. Kein Bus da, also wir mit dem ganzen Gepäck in der Sommerhitze zu Fuß, von dem einen Flughafen zum andren. Wir brauchten ewig. Und mitten auf dem Weg sagt dann noch eines der Kinder: Mama, meinst du nicht, der Ausweichflug ist längst weg? Da meldete sich meine Schwester und starrte mich eindringlich an: Bete! Ich sage dir Bete!“

Bei uns in Linnep gibt es die Klagemauer, an die Menschen ihre Gebete in diesem Tagen hängen. Ich muss schon sagen, als wir die Aktion vor 2 Wochen gestartet haben, haben wir nicht damit gerechnet, wie sie angenommen wird. Als ich am Samstag zur Aufzeichnung des Gottesdienstes in der Waldkirche war und die neuesten Zettel für die Fürbitten eingesammelt habe, traf ich ein Paar, beide in Fahrradmontur. Auch sie hängten jeder einen Zettel auf. Er sagte dann zu mir: Es ist gut, dass es so etwas gibt. Sonst kann man seine Gedanken so wenigen sagen.

Es gibt viele, die an ihren Gedanken dieser Tage schwer tragen. Nicht alle waren vorher Kirchgänger. Aber dennoch steht es ihnen offen, zu Gott zu beten; sei es nun mit der Linneper Klagemauer oder anders. Auch wenn die Kirche derzeit nicht offen ist, wegen der Ansteckungsgefahr. An der Kirche, am Tempel kannst du bauen. Du kannst dich an Gott andocken, zu jeder Zeit. Und es ist nie zu spät, damit anzufangen. In Gott findest du einen guten Zuhörer. Und du kannst auch in der Stille auf seine Antworten lauschen.

Ihr
Matthias Weber-Ritzkowsky