Monatsandacht August

„Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem HERRN, denn er kommt, um die Erde zu richten.“ (1.Chronik 16,33)

 

Liebe Gemeinde,
 

20 Jahre war ich Pfarrer in einem Brennpunkt des Ruhrgebietes, im Norden von Duisburg. Wenn ich da von Bäumen geredet habe, dachten die allenfalls an die Alleebäume bei den Straßen, die das Licht in den Häusern schummrig machten, im Herbst die Blätter zum Abtransport abwarfen und alle paar Jahren warfen sie auch die Rinde ab. Beliebt waren diese Bäume nicht. Und es besteht auch ein großer Unterschied zwischen „Bäume“ und Wald. Seit gut 3 Jahren bin ich in Linnep und genieße es seither, durch den Wald zu gehen. Manchmal auch abseits der Wege, Lichtungen und besondere Orte entdecken. Und ich frage mich dann: Was könnten diese Bäume nicht alles erzählen. Was haben die nicht vielleicht alles erlebt. Oder auch der Wald als solches, der mehr ist, als die Summe seiner Bäume. Der Wald war da, als die Menschen damals im 17. Jahrhundert die Waldkirche bauten. Damals hieß sie noch nicht so. Aber am Waldesrand hat sie immer schon gelegen. Der Wald könnte berichten von den Gräueln des 30jährigen Krieges, der dem Bau der Kirche vorausging. Oder die Zeit, in der immer mehr Industrie entstand und die Menschen herauskamen und im Wald Erholung fanden. Da sind die Erfahrungen von Stürmen, die in den letzten Jahren immer schlimmer geworden sind. Überhaupt, wie sich das Klima immer weiter verändert und es für den Wald härter geworden ist. Immer wieder trockene Sommer und Gefahr für den Wald. Wie sehr würde der Wald angesichts der Veränderung des Klimas jubeln, würde Gott kommen und alles richten – aufrichten – ins Recht setzen – reparieren.

Generell gibt es so viel, das uns derzeit das Leben schwer macht: der Krieg, die Inflation, die Kosten an der Tankstelle und für Energie, die Gefahren durch das sich verändernde Klima. Die Erderwärmung führt zum Schmelzen der Polkappen und das zu einem steigenden Meeresspiegel. Und Slogans wie „ohne Holland fahren wir zur WM“ bekommen von daher eine ganz neue Bedeutung. Ganze Regionen und Länder werden von der Landkarte verschwinden, und so paradox das klingt: Flüsse werden austrocknen und man wird dann keine Brücke mehr brauchen, um im Sommer über den Rhein zu kommen.

Bei allen Bedrohungen, die uns gerade aktuell betreffen – die Sorge um den Krieg in Europa und um die Dinge, die uns die Pandemie im Herbst bringen könnte – ist die Bedrohung durch den Klimawandel schon wieder etwas in Vergessenheit geraten. Dabei ist es doch eigentlich unsere von Gott gegebene Aufgabe, mit der Schöpfung, die er uns anvertraut, pfleglich umzugehen. Wir aber meinen, die Ressourcen der Welt sind unerschöpflich und die Welt ewig. Die Warnung der Sintflut, dass eben doch einmal alles zu Ende sein könnte, wird ignoriert. Dabei hieß doch Gottes Versprechen damals: Solange die Erde steht, sich Sommer und Winter, Frost und Hitze ablösen, wird als Zeichen seines Bundes mit uns der Regenbogen stehen. Sommer und Winter geraten nun aber durcheinander, Frost und Hitze.

Auch wenn es wahr ist, dass einer allein mit seinen Taten die Welt nicht verändern kann. Auch ein Land mit seiner Politik wird das Weltklima nicht wandeln. Aber wenn es schon so schwierig ist, andere von der Notwendigkeit der Änderung zu überzeugen, ist es vielleicht angeraten mit der Veränderung bei dem zu beginnen, auf den wir den größten Einfluss haben: uns selbst. Ist das Problem so groß, ist es manchmal schwer den ersten Schritt zu tun. Aber wenn ich selbst nicht bereit bin, den ersten Schritt zu tun, dann wird sich die ganze Welt niemals in Bewegung setzten. Und wenn wir ihn tun, werden wir vielleicht das Wunder erleben, dass andre mittun. Ob unser erster Schritt etwas bewirkt? Sicher nicht, wenn wir nicht bereit sind, nach dem ersten Schritt auch den zweiten zu tun. Sicher nicht, wenn wir dann auch nicht bereit sind, in die Gehbewegung zu verfallen. Unsere Wege in die Zukunft entstehen beim Gehen hin auf den, der seine Gegenwart in der Welt unterstrichen hat. Denn er kommt auf uns zu, die Welt in Ordnung zu bringen – und seine Verheißung gilt.
 

Ihr
Matthias Weber-Ritzkowsky