Monatsandachten

Nachdem Herr Weber-Ritzkowsky ein Jahr lang jede Woche eine Andacht zum Wochenspruch geschrieben hat, sind die Wochensprüche "aufgebraucht". Sie wiederholen sich nämlich jedes Jahr.

Ab Mai ist er nun auf einen monatlichen Rhythmus umgestiegen und wird jeweils zum ersten Mittwoch im Monat eine Andacht zum Monatsspruch schreiben.


Andacht Monat September

»Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.« (Haggai 1,6)

Septemberzeit, Herbstzeit. Wir merken, langsam wird es wieder früher dunkel. Septemberzeit ist auch Erntezeit und das letzte Wochenende des Monats ist der Termin, für die Dinge des Lebens zu danken: Erntedank.

In Leben des Überflusses scheint Danken außer Mode gekommen zu sein. Eigentlich ist es uns ganz selbstverständlich, in den Geschäften all das zu bekommen, was wir uns wünschen. Zu Beginn der Corona-Pandemie haben wir lernen müssen, dass Güter wie Brot oder auch Toilettenpapier nicht selbstverständlich da sind. Das Ganze hat sich gegeben – die Versorgungslage hat sich reguliert. Und dennoch stellt sich keine Zufriedenheit ein. Vor lauter Angebot, wissen wir nicht mehr, was wir kaufen sollen. Wir wissen nicht mehr, was wir essen sollen. Wir suchen das Besondere, aber was ist heute schon noch besonders. Wenn man von zu Hause aus Gerichte aus der türkischen, italienischen, asiatischen, deutschen, indischen Küche und was weiß ich noch woher bestellen oder nachkochen kann, hat das Besondere seinen Reiz verloren. Wenn jeder Tag wie ein Fest begangen wird, kommt einem nach einer Weile alles so vor wie ein ewiges Einerlei: Wir essen und werden doch nicht satt, trinken und bleiben durstig, frieren trotz ausreichend Kleidung. Es bleibt eine Sehnsucht. Es muss doch da mehr sein. Mehr als wir uns mit Geld und allem Einfluss kaufen können. Mehr als wir mit unserer Hände Arbeit schaffen können.

In dem Text, aus dem der Monatsspruch für den September 2021 stammt, wird zur Wiedererrichtung des Tempels von Jerusalem aufgerufen. Der war bei der Eroberung durch die Babylonier zerstört worden. Nachdem der Perserkönig Darius Jahrzehnte später wiederum die Babylonier besiegt hatte und die deportierten Israeliten nach Hause entließ - hat man sich in der wiedergewonnenen Heimat so gut es geht eingerichtet. Doch es fehlte etwas. Es fehlte die Nähe zu Gott – denn dafür stand der Tempel. Gott, der als Größter menschliches Vermögen, menschliche Verfügbarkeit und menschliche Dimensionen immer wieder zu durchbrechen vermag. Gott, der an den Momenten unseres Lebens steht, die uns prägen und oft ein Leben lang nachwirken. Ihm im eigenen Leben wieder einen Platz einzuräumen, ihm sozusagen in eigenen Leben einen Tempel zu bauen, dazu ruft der Prophet Haggai auf. Und wenn man es genau nimmt, ist dieser Gedanke auch heute in keiner Weise abwegig. Merken wir doch angesichts von Umweltzerstörung, mörderischen Kriegen und Bedrohung durch Seuchen, wie verletzlich und zerbrechlich unser Leben doch ist. Und dennoch gilt Gottes Wort, der Bund und Treue hält ewiglich und diese Welt weder uns Menschen noch sich selber überlässt.

Es grüßt Sie, Ihr
Matthias Weber-Ritzkowsky